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Mesmer-Heilweise, der Heilmagnetismus, nach wie vor und erst recht aktuell

Mesmer

Am 23. Mai diesen Jahres wäre Dr. phil., Dr. med. Franz Anton Mesmer 289 Jahre alt geworden.

Seine Heilweise, die "Mesmer´schen Ausstreichungen" haben die Zeit überdauert und an diese erfolgreiche Heilweise sollte erinnert werden. Gerade der Nachwuchs der Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker sollte an diese alte Heilweise herangeführt werden. Hierbei gibt es Versäumnisse bei den Ausbildungsstättennund auch den Berufsorganisationen.

Werner Theegarten

Heilpraktiker Werner Theegarten veröffentlichte nachfolgenden Artikel anläßlich des Symposion Sobernheimer Kreis im Jahre 1986 in Bad Arolsen.

(Anmerkung: Der Sobernheimer Kreis war ein von Werner Theegarten gegründeter Facharbeitskreis, der viele Jahre jährlich ein Symposion in Bad Arolsaen durchführte. In besonders harmonischer Atmosphäre trafen sich dort Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker sowie die Berufsanwärterinen und -anwärter zur Fachweiterbildung. Insbesondere altbewährte Heilweisen wurden vorgestellt, demonstriert und Erfahrungen ausgetauscht. Nach dem Tod von Werner Theegarten führte Heilpraktiker Bernd Schmidt den Sobernheimer Kreis als Vorsitzender noch im Sinne von Werner Theegarten einige Jahre mit erfolgreichen Veranstaltungen bis zu seiner Auflösung weiter.

Am 23. Mai 1734 wurde in Iznang am Bodensee Franz Anton Mesmer als drittes Kind seiner Eltern geboren.

Sein Vater stand als Förster bei dem Bischof von Konstanz in Diensten und so verwundert es nicht, wenn die El­tern den innigen Wunsch hatten, daß ihr Kind dereinst einmal Theologie stu­dieren sollte. Der junge Franz Anton wuchs in der lieblichen Landschaft des Bodenseege­bietes sorglos heran und wir finden ihn bei seinen täglichen Streifzügen in dem noch unwegsamen, urwüchsigen Ge­lände des Bodensees. Zweifellos hat diese Landschaft und alles Erleben und Beobachten in der freien Natur den jungen Franz Anton mitgeprägt und niemand hätte je ge­dacht, daß der junge Mesmer einmal zum Neuentdecker des Heilmagnetis­mus werden sollte.

Im Verlaufe der Zeit finden wir Franz Anton Mesmer an der Universität von Ingolstadt, wo er zum Doktor der Phi­losophie promovierte, um dann 1759 in Wien das Studium der Medizin zu be­ginnen. 1765 legte Franz Anton Mesmer sein Examen als Doktor der Medizin ab und

für sein ganzes Denken scheint es typisch, daß er in seiner Dissertations­arbeit versuchte den Nachweis zu er­bringen, daß sich die Sonne wie alle Planeten, insbesondere die Erde, ge­genseitig beeinflussen und der Mensch als Bestandteil des Alls in diese kosmi­schen Strahlen hineingestellt sei.

Sein ganzes Denken verrät, daß Mes­mer ein ausgezeichneter Kenner der Schriften des Paracelsus war. Er be­schreibt, daß es außer den atmosphäri­schen Einflüssen auf alles Leben noch andere Einwirkungen gäbe: eine Kraft, die aus den unvorstellbaren Wei­ten der Himmelsräume kommend, in jegliche Materie eindringt und sie durchdringt, und wie die Säfte in den Pflanzen aufsteigen und wie die Anzie­hungskraft der Sonne und des Mondes während der Vollmondzeit Ebbe und Flut verursachen, so würden dieselben Kräfte auch im menschlichen Organis­mus Ebbe und Flut bewirken. Mesmer meinte, daß diese Kraft, die aus den Weiten der Himmelsräume käme und alles durchdringe, nichts an­deres als der schöpferische Hauch sei, das, was wir als „den Arzt in uns", ,,das Selbstheilbestreben", die „Selbst­steuerung" u. a. nennen. Und wenn hier eine Disharmonie sei, würde diese zu dem führen, was wir „Krankheit" nennen.

Und wie es nur dieser eine Grund sei, der zu „krankhaften Erscheinungen" führe, so gäbe es auch nur eine einzige Möglichkeit, dieselben aufzuheben, nämlich: den Heilmagnetismus.

Christoph Wilhelm Hufeland, 1762- 1836, Arzt in Berlin, Hausarzt Goethes und Schillers, sagte: ,,Wir kennen weder das Wesen dieser wun­derbaren Kraft noch ihre Grenzen. Aber alles zeigt, daß sie in die Tiefen des Organismus eingreift und das in­nerste Leben des Nervensystems, ja selbst das Geistige zu affizieren und aus seinen gewöhnlichen Verhältnissen zu setzen vermag. Wer also sich dieser Kraft zu bemächtigen und sie zu hand­haben unternimmt, der unternimmt wahrlich ein kühnes Wagestück - vielleicht den größten Eingriff in die höhe­ren Gesetze der Natur, der möglich ist -und dies bedenke wohl. Nie muß er ohne Schüchternheit und ohne tiefe Ehrfurcht vor dem unbekannten We­sen, mit dem er zu spielen wagt, und am allerwenigsten ohne Reinheit des Gemütes, dies Heiligtum betreten. Nie darf man also aus Vorwitz gesunde Menschen magnetisieren. Es ist schon eine der allgemeinen Regeln der Heil­kunst überhaupt, daß jede, auch eine unbedeutende Arznei, für einen Ge­sunden schädlich sei -wie viel mehr muß dies für Agens gelten, das viel­leicht das „stärkste unter allen ist." So der Arzt Christoph Wilhelm Hufe­land.

Dieser Beitrag zur Erinnerung an Mes­mer ist nicht erschöpfend. Es wären noch zahllose Aussagen führender Wissenschaftler zu bringen, die die Forschungen Mesmers unterstützten. Die Aussage Hufelands wurde auser­wählt, weil er ein wahrlich großer Den­ker und Arzt war.

Mesmer heiratete in Wien und war so gestellt, daß er nicht sogleich an Ein­künfte aus seiner Praxistätigkeit zu den­ken brauchte. Er führte einen großen Haushalt in Wien, Landstraße 261, und sein gast­freies Haus war sehr oft Mittelpunkt gesellschaftlicher Treffen. Mesmer selbst war ein ausgezeichneter Pianist und auch Cellospieler und somit wurde in den prächtigen Gartenanlagen musi­ziert und diskutiert. Auch die Eltern Mozarts wie der junge Wolfgang Ama­deus (27. 1. 1756-5.12. 1791) gehör­ten zum engen Freundeskreis Mes­mers. In diesen Parkanlagen wurde auch Mozarts erste Oper „Bastien und Bastienne" uraufgeführt.

Hier in Wien verband Mesmer auch eine Freundschaft zu Pater Hell. Pater Hell kannte eine Frau, die seit langem an heftigen Magenkrämpfen litt, die ihr kein Arzt nehmen konnte und die er, Pater Hell, durch Auflegung von Stabmagneten heilte. Diesen Fall berichtete er seinem Freunde, Dr. Mesmer, und dieser war höchst interessiert und besuchte diese Frau mehrmals.

Pater Hell gab auf Wunsch Mesmers diesem eine Anzahl solcher Magnete, und Mesmer hatte ebenfalls gute Erfolge. Begeistert schrieb Mesmer einen Arti­kel in der Wiener Zeitung „Neueste Nachrichten". Hier beschrieb Mesmer die Wunderkuren mit seinen Magne­ten, ohne allerdings seinen Freund, Pater Hell, auch nur zu erwähnen. Dies führte zum Bruch der Freund­schaft. In der Folgezeit finden wir Mesmer in seiner Praxis mit Beobachtungen der Erfolge mit Magneten beschäftigt.

Nach einem Jahr jedoch gab Mesmer diese Versuche auf, da er bemerkte, daß er allein mit der Kraft seiner Hän­de bedeutend bessere und schnellere Erfolge hatte!

Der Zulauf zu Mesmers Praxis war enorm. Und das rief die Neider und Widersacher auf den Plan, die mit allen Mitteln versuchten, ihrem Kollegen das Wirken unmöglich zu machen. Um diesen ständigen Angriffen aus dem Wege zu gehen, finden wir in der Folgezeit Mesmer vielfach auf Reisen. Zuletzt verlegte er seinen Wohnsitz nach Paris. Es währte nicht lange, bis der Name Mesmers in ganz Frankreich bekannt war, und auch hier war der Zulauf von Kranken enorm. Zuerst mietete Mes­mer hier ein Hotel, in dem er die Kranken unterbrachte. Später bezog er eigene Praxisräume.

Neid und Mißgunst führten auch bei den Kollegen in Paris zu ständigen Anzeigen und Angriffen. Schließlich verlangte König Ludwig XVI. von der „Akademie der Wissenschaften" eine eingehende Prüfung des Magnetismus. In dieser Kommission befanden sich vorwiegend Ärzte und Wissenschaft­ler, die keinerlei Kenntnisse von der Materie besaßen, über die sie urteilen sollten. Wie es oft ist: ein Teil der Prüfenden war gegen diese Heilmög­lichkeit, ein Teil sprach für sie. Jeden­falls durften die französischen Ärzte den Heilmagnetismus nicht mehr an­wenden, sie mußten der Methode ab­schwören und ihnen wurde im anderen Falle mit der Entlassung aus der Aka­demie und mit dem Verlust ihres Arzt­patentes gedroht.

Die zahlreichen Ereignisse können nicht alle aufgezählt werden. Nach ei­nem vorübergehenden Aufenthalt bei Versailles verließ Mesmer während der französischen Revolution 1789 Frank­reich. Er reiste nach Wien, um die anfallenden Angelegenheiten, die durch das Ableben seiner Frau ent­standen waren, zu regeln. Später finden wir Mesmer in Frauen­feld, dann in Konstanz und zuletzt in Meersburg am Bodensee. Eine herzli­che Freundschaft verband ihn mit Prof. Dr. med. Wolfart von der Regierung in Berlin, der Mesmer vergeblich bewog, seinen Wohnsitz nach Berlin zu verle­gen. Unter den Freunden Mesmers befand sich u. a. der Arzt Dr. Carl Gustav Carus (1789-1869). Carus war Direk­tor des gynäkologischen Instituts in Dresden und Leibarzt des Königs. Eine tiefe Freundschaft verband Carus mit Goethe.

Carus schrieb, daß nicht der Mensch heile, sondern das Göttli­che, Unbewußte im Menschen und be­jahte den Heilmagnetismus gleich sei­nem Freunde Goethe. Es besteht kein Zweifel, daß Carus des öfteren Gedan­ken austauschte über dieses Thema.

Goethe: ,,Der Heilmagnetismus ist eine allgemein wirkende Kraft, ein je­der Mensch besitzt sie, nur nach seiner Individualität etwas verschieden, und seine Wirkungen erstrecken sich auf alles und alle Fälle. Ja, der Mensch weiß nicht, was er besitzt und was er kann, darum ist _er so elend, so ohn­mächtig und ungeschickt."

Niemand anderes als Christian Samuel Hahnemann (1755-1843) war ein Be­fürworter und persönlicher Anwender des Heilmagnetismus! In seinem „Or­ganon der Heilkunst" finden wir in den §§ 288 und 289: ,,Hier finde ich noch nötig, des von der Natur aller übrigen Arzneien abweichenden, sogenannten tierischen Magnetismus, oder vielmehr ( des dankbarer nach Mesmer, seinem ersten Begründer, zu benennenden) ,Mesmerismus' Erwähnung zu tun."

Einer seiner bedeutendsten Freunde war der homöopathische Arzt Dr. med. Arthur Lutze, der in Cöthen eine Heilanstalt besaß. Lutze berichtet be­geistert von der Steigerung der Wirk­samkeit der homöopathischen Mittel durch gleichzeitige Anwendung des Magnetismus. Er meinte, daß durch die Handver­schüttelung bereits die Wirksamkeit des Homöopatikums bedeutend ge­steigert werden könne! Die Wirksamkeit der homöopathi­schen Mittel, die sich Kollegen Lutzes aus dessen Apotheke holten, war recht unterschiedlich. Lutze stellte fest, daß die durch seine Hände verschüttelten Mittel bedeutend wirksamer waren und fand zuletzt, daß der Grund in der bedeutend stärkeren Wirksamkeit der ,,Kräfte, die seiner Hand entström­ten", zu suchen sei. Hahnemann wie auch Lutze, machten keinen einzigen Hausbesuch, ohne zu­letzt nicht einige magnetische Striche gemacht zu haben.

Es ist mir bekannt, daß Hersteller ho­möopathischer Dilutionen zur Ver­schüttelung bzw. Potenzierung ein Ul­traschallgerät benutzen. Es wäre viel, wenn wenigstens die Endpotenz noch­mals handverschüttelt würde. Von zwei größeren biolog. Firmen habe ich Kenntnis, daß die eine Firma das Ul­traschallverfahren zur Potenzierung benutzt, die andere Firma, Kattwiga, handverschüttelt. Vielleicht ist dies ein Denkanstoß?

Mesmer, dem Wiederentdecker eines der ersten therapeutischen Verfahrens in der Heilkunst der Menschheit, gilt der Dank am Tage seines Geburtsta­ges, eine einzigartige therapeutische Möglichkeit der Vergessenheit entris­sen zu haben. Nach einem wahrlich unsteten Wander­leben, verbrachte er in aller Ruhe und Besinnlichkeit die letzten Tage seines Lebens in Meersburg, wo er in der Vorburggasse 11 wohnte. Am 5. März 1814 fühlte Mesmer, daß ihn seine Lebenskräfte verließen. Er schied sanft aus dem Leben.

Sein Freund, Prof. Dr. mecl. Wolfart. der selbst eine „Magnetische Kuranstalt" gründete, ließ seinem Freunde einen Grabstein setzen. Mit großem Respekt und großer Hoch­achtung muß jener Männer gedacht werden, die ohne jegliche physikali­sche Geräte und sonstige technische Möglichkeiten bereits vor so vielen Jahren feststellten, daß dem menschlichen Körper „Kräfte entströmten", daß der völlig gesunde Körper diese reichlich besitzt. der Kranke hingegen kaum. Und erst im Zeitalter der Kir­lianfotographie haben wir den bildli­chen Beweis.

Zu Beginn des letzten Krieges gab es noch beinahe tausend Kollegen, die eine rein heilmagnetische Praxis hat­ten. Zahlreiche Magnetopathen wurden über Nacht verhaftet. ihr Schrifttum beschlagnahmt. Manch ein Kollege ist nicht mehr zurückgekehrt. Leider finden wir auf beinahe keinem einzigen Programm unserer Fachfort­bildungsangebote einen Vortrag über den „Heilmagnetismus" bzw. Mesme­rismus oder die „geistigen Heilwei­sen", dafür mehr Angebote über die Fertigung von EKGs und ihre Auswer­tung. über die Differenzierung von Blutbildern usw. Wer nur einmal einem Demonstra­tionsvortrag über den Heilmagnetis­mus beiwohnte, ist fasziniert von den Heilmöglichkeiten. die uns durch diese älteste therapeutische Möglichkeit ge­boten werden. Sie behandeln nach ungewöhnlichen Methoden, die von der Schulmedizin zum größten Teil nicht anerkannt oder abgelehnt wer­den ... sie heilen Krankheiten, die von Ärzten und Kliniken als unheilbar er­klärt wurden ...

Im „Sobernheimer Kreis" wurden mehrfach Vorträge über diese einzigar­tige Therapieform gebracht, und das Interesse der Kollegen ist groß. Deshalb beschlossen einige Kollegen zum Symposion des „Sobernheimer Kreises" vom 4./5. Oktober 1986, im Gedenken an Dr. F. A. Mesmer des­sen Arbeitskreis, den er 1782 in Frank­reich begründete: die „Gesellschaft Harmonie" wieder neu zu beleben und es ist zu hoffen, daß sich ihm alle Arbeitskreise für Magnetismus und in­teressierte Kollegen anschließen. 

Der Altmeister, Werner Theegarten, demonstriert den Magnetismus.